In diesem Abschnitt wird näher auf den Aufbau und Arbeitsweise des Filmes eingegangen.
Aufbau eines Films
Jeder Film besteht aus einer lichtempfindlichen Schicht
(Emulsion) und einem Trägermaterial. Dies lichtempfindliche Schicht besteht meist aus
Silber, welche durch das einfallende Licht zu Silberhalogenid wird. Das
Silberhalogenid
ist eine Verbindungen aus Silber und den Halogenen Brom oder Chlor. Dabei gilt je größer
die Halogenidkristalle sind, desto höher ist die Filmempfindlichkeit. Dies wirkt sich auf
das Auflösungsvermögen des Filmes aus. Um die Halogenide mit dem Schichtträger (siehe
Bild) zu binden, mischt man diese mit Gelatine. Seltsamerweise wirkt sich die Gelatine
auch noch unterstützend auf die Belichtung bzw. Entwicklung des Filmes aus. Dies ist auch
der Grund, warum ein Film nicht für die Ewigkeit ist (natürlich der Unentwickelte), den
durch unsere "gute Luft" mit Ihren Bakterien, wird die Gelatine im wahrsten
Sinne des Wortes aufgefressen. Zudem besitzt der Film noch eine Lichthofschutzschicht
(Lackschicht), welcher die unerwünschte Lichtreflexionen verhindert. Der Schichtträger
würde ansonsten das Licht reflektieren, dass es sich deutlich als Hof, das ist ein
Lichtsaum, um helle Punkte in dunkler Umgebung bemerkbar macht.
Aber es sind auch einige "silberlose" chromogene Filme auf dem Markt z.B. ILFORD
XP1 400, dieser setzt sich aus verschiedenen Emulsionsschichten unterschiedlicher
Empfindlichkeit zusammen.
Nachfolgend ist der Aufbau eines Schwarzweißfilm
dargestellt.

Der Schwarzschildeffekt
Bei Langzeitbelichtungen tritt der Schwarzschildeffekt auf,
d.h. wenn das Ergebnis aus Lichtmenge x Zeit immer gleich groß ist, erreicht man eine
gleichmäßige Filmschwärzung. Zu beachten ist, dass dies schon bei Belichtungszeiten von
ca. 1 - 2 Sekunde, der Film nicht mehr gleichmäßig zur Belichtungszeit geschwärzt wird,
sondern schwächer => der Schwarzschildeffekt verringert die Filmempfindlichkeit =>
bei üblicher Belichtung eine Unterbelichtung; das Bild erscheint zu dunkel.
Glücklicherweise liefern die Filmhersteller zu ihren Filmen Datenblätter mit genauen
Werten über das Schwarzschildverhalten.
Auch bei Farbfilm trifft man auf diesen Effekt, hier entsteht zur Unterbelichtung noch ein
gelb bis grüngelber Farbstich, welchen man aber herausfiltern kann. Den jeweilig
erforderlichen Filter entnimmt man wieder dem Datenblatt.
Ein paar Filme
| Film |
Empfindlichkeit
(ASA/DIN) |
Auflösungsvermögen
(Lines/mm) |
Schwarzschildexponent
(p) |
| SW Agfa Pan 400 |
400/27° |
110 |
0,70 |
| SW Maco Ortho 25 |
25/15° |
350 |
0,85 |
| SW ILFORD XP1 400 |
50/18° bis 1600/33° |
??? |
0,70 |
| SW ILFORD HP 5 |
400/27° |
??? |
0,73 |
| SW Kodak T-Max 400 |
400/27° |
80/125 |
0,89 |
| SW Kodak TP 2415 |
100/21° |
125/320 |
0,75 |
| FA Fuji RH 400 |
400/27° |
40/125 |
0,72 |
| FA Fuij P 1600 |
800/30° bis 3200/36° |
??? |
??? |
| FA Kodak Ekta 400 |
400/27° |
40/80 |
0,71 |
| FA Kodak Ekta 800/1600 |
800/30° bis 1600/33° |
40/60 |
0,73 |
| FA 3M 1000 |
1000/31° |
??? |
0,82 |
| FA Agfa 1000RS |
1000/31° |
??? |
0,70 |
Bestimmung des Schwarzschildexponenten
Für normale (kurzzeit) Photographien stellt man eine
Proportionalität zwischen der einfallenden Lichtmenge und der Filmschwärzung fest (siehe
oben). Überträgt man diese allerdings auf die Langzeitaufnahmen, so sind die Bilder
deutlich unterbelichtet. Aus diesem Verhalten hat Karl Schwarzschild den Zusammenhang
zwischen der theoretischen und der effektiven Belichtungszeit entdeckt: ttheo
= teff Nun zum eigentlichen Problem, der so genannte
Schwarzschildexponent p ist von Film zu Film verschieden. Daher muss er für jeden Film
einzeln durch folgende Formel bestimmt werden:
p=log ttheo / log teff
Die beiden Werte ttheo und teff kann man aus
dem Datenblatt entnehmen. Anderenfalls muss man p experimentell bestimmen, was sehr
aufwendig ist.
Für eine experimentelle Bestimmung ist es notwendig, dass man eine Serie von Aufnahme
eines Himmelsausschnitts erstellt, dabei muss die Belichtungszeit bei jeder Aufnahme
gesteigert werden. Nun muss via der Photometrie (Helligkeitsmessung) die einzelnen
Aufnahmen auswerten. Als Beispiel (alles theoretische Annahmen) haben wir hier 4 Aufnahmen
bei der jeweils die Belichtungszeit verdoppelt wurde.
| Belichtungszeit (min.)
(t) |
1 |
2 |
4 |
8 |
. . . |
| Grenzgröße
(m) |
9,00 |
9,60 |
10.24 |
10.85 |
. . . |
| Sternintensität (lux)
(I) |
54,2 |
34,5 |
18,4 |
10,3 |
. . . |
Die Beleuchtungsintensität der Bilder 1 und 4 unterscheiden sich um den Faktor 9,925 (I1/ I4). Bei
Bild 4 ist die Belichtungszeit um den Faktor 8 größer als bei Bild 1. Stellt man diese
Größen ins Verhältnis so ergibt sich:
I1 * t1 = I2 * t2
I1/I2
= 10-0,4 (m1 - m2)
Auflösung der beiden Formel nach Dm:
Dm = m2 - m1 = 2,5 * p * lg (t2/t1)
Die Auflösung nach p ergibt:
p = 0,4 * (m2 - m1 / lg (t2/t1))
0,4 * (10,85 - 9,00) / lg (8/1) = 0,819
Aus der Steigung der Funktion m (lg(t)) wird der Schwarzschildexponent p ermittelt. Durch
einsetzen der Zahlenwerte und auflösen nach p, ergibt sich einem Schwarzschildexponent
von 0,819.
Absolute Filmempfindlichkeit
Die angegebene Filmempfindlichkeit, kann in der Astrophotographie nur als
Anhaltspunkt dienen, da sie von 2 Faktoren abhängt:
- Vom verwendeten Entwickler, da Entwickler mit Phenidone (z. B. Microphen) die
Empfindlichkeit erhöhen, im Gegensatz zu Feinkornentwicklern (z. B. Technidol)
die die Empfindlichkeit verringern.
- Zum anderen spielt der Schwarzschildeffekt eine große Rolle. So kann ein
200/23° empfindlicher sein, als ein 400/27° bei gleicher Belichtungszeit, wenn
der Schwarzschildexponenten beim 400/27°er Film schlechter ist als beim 200/23°er
Film.
(siehe Kapitel "Der Schwarzschildeffekt" oben).
Spektrale Filmempfindlichkeit
Früher hatte es nur so genannte unsensibilisierte (bestehende aus
reiner Silberhalogeniden-Schicht) Filme gegeben, die bis ca. 500 nm rein
blauempfindlich waren. Um Filme für andere Wellenlängen herzustellen, hat man
der lichtempfindlichen Schicht Farbstoffe ("sensibilisierten") beigemischt,
damit erreichte man eine Veränderung der spektralen Empfindlichkeit.
Filme bis 600 nm verhalten sich orthochromatisch und sind
blau/grünempfindlich.
Filme bis 650 nm verhalten sich panchromatisch und sind
blau/grün/rotempfindlich
Filme bis 900 nm sind infrarotempfindlich..
Der Kodak TP-2415 z.B. reicht bis 700nm. Somit ist dieser Film, besonders in
hypersensibilisierten Form, zum photographieren von HII-Regionen geeignet. Bei Farbfilmen
verhält es sich ähnlich wie bei den Schwarzweißfilmen. Farbemulsionen sind prinzipiell
aus drei verschiedenen Farbschichten aufgebaut und jede dieser Farbschichten besitzt ihre
eigene Spektrale Empfindlichkeitskurve. Alle hier aufgelisteten Werte wurden aus den
Datenblättern entnommen z.B. Kodak-Film T-MAX-Filme.
Gashypersensibilisierung
Bei der Gashypersensibilisierung werden die in der Filmschicht enthaltenen Wassermoleküle
durch Wasserstoffmoleküle ersetzt. Diese wiederum sind durch die einfallenden Photonen
erheblich leichter anregbar, wodurch letztendlich bei langen Belichtungszeiten die
Emulsion schneller geschwärzt wird
Die Anpassung des Schwarzschildexponenten photographischer Emulsionen durch
Hypersensibilisierung ist ein gängiges Verfahren in der Astrophotographie. Dies geschieht
mit Wasserstoffgas, Wärme und höherem Druck. Dem Filmmaterial wird in einem
Druckbehälter der Luftsauerstoff und die Restfeuchtigkeit entzogen. Bei dem Gas handelt
es sich um Formiergas 92% N2, 8% H2. Die Behandlung des Films in Formiergas findet bei
50-60 C° statt. Die Einwirkdauer auf den Film, liegt je nach Film und Druck zwischen
einigen Stunden und mehreren Tagen.
Nachfolgend eine Tabelle mit erprobten Parametern:
© B. Koch
| Film |
Hyperzeit |
Druck |
Temperatur |
Gas |
| TP 2415 |
2 Tage |
0,7 |
30 C° |
100% H2 |
| TP 2415 |
7-8 Tage |
1,5 |
30 C° |
8% H2 |
| TP 2415 |
24 Std. |
1,4 |
60 C° |
15% H2 |
| TP 2415 |
24Std. |
2,5 |
60 C° |
10% H2 |
| Ektarchrome 400 |
2-3 Tage |
1,0 |
30 C° |
20% H2 |
| Ektarchrome 200 |
6 Std. |
1,2 |
60 C° |
8% H2 |
| Ektarchrome 1000 |
2,5 Std. |
1,3 |
60 C° |
8% H2 |
Ein paar Daten von Freunden bzw. aus verschieden Zeitschriften.
| Film |
Hyperzeit |
Druck |
Temperatur |
Gas |
| Maco Ortho 25 |
14 Std. |
1,5-2,0 |
55 C° |
10% H2 |
| Agfapan 400 |
7 Std. |
1,2 |
60 C° |
10% H2 |
| TP 2415 |
24 Std. |
0,1 |
60 C° |
10% H2 |
Achtung ! Formiergas ist nicht gleich Formiergas. D.h. Formiergas von der Firma
Messer Griesheim besteht aus 92% N2 und 8% H2 das Formiergas von Linde besteht aber
aus 90% N2 und 10% H2. Es ist also für jeden Amateur mit eigener Hyperanlage
unumgänglich, eine eigene Testreihe anzufertigen.

Filme für die Astrophotographie
Filme mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben.
Kodak Technical Pan Film TP-2415
Dieser panchromatische SW-Film besitzt eine sehr hohe Rotempfindlichkeit und ist
heute der quasi Standart-Schwarzweißfilm in der Amateurastrophotographie. Aufgrund seines
feinen Korns und seiner hervorragenden Auflösung von 320 Linien/mm, ist er der Film für
die Sonne, Mond und Planeten. In unbehandeltem Zustand hat der Film einen
Schwarzschildexponenten von p=0,75 und kann durch Hypersensibilisierung fast auf ca. p=0,9
gebracht werden.
Kodak T-MAX 400 (TMY): (Keine hypersensibilisieren möglich, da das Korn
größer wird)
Der T-MAX 400 bietet eine Empfindlichkeit von 400 ASA und eine Auflösung von 125
Linien/mm. Der Schwarzschildexponent liegt bei p=0,89. Ein wie wir finden sehr guter Film.
Kodak T-MAX 3200 (TMZ): (Keine hypersensibilisieren möglich, da das Korn
größer wird)
Der T-MAX 3200 besitzt eine Empfindlichkeit von 3200 ASA , dafür geht seine
spektrale Empfindlichkeit reicht nur bis 635nm. Sollte man nur für lichtschwache
Instrumente einsetzen.
Maco Ortho 25 (vormals von Agfa produziert)
Ein orthochromatischer Schwarzweißnegativfilm mit einer Empfindlichkeit von 25
ASA. Der Maco Ortho besitzt ein Auflösungvermögen von 350 Linien/mm.
Eignung: So wie TP2415.
Agfapan 400
Der Agfapan 400 ist ein panchromatischer Schwarzweißnegativfilm. Die spektrale
Empfindlichkeit recht bis 660 nm.
Kodak Ektar Reihe
Die Kodak Ektar Reihe gibt es in den Ausführungen 25, bis 1000. Alle Filme sind
in hypersensibisierbar. Der Ektar 25 ein idealer Film für die Nebelphotographie.
Der Ektar 1000 zeichnet sich durch seine extreme Blauempfindlichkeit aus und ist deshalb
ein guter Film für die Sternhaufen.
Weitere Filme folgen in nächster Zeit,......................