Die Planeten in unserem Sonnensystems bieten eine Menge Details, die der Hobbyastronom
beobachten und photographieren kann, ohne das er Geld für Hightechinstrumente ausgeben
muss. Darum empfehle ich jedem Anfänger, mit diesem Sachgebiet in die Astrophotographie
einzusteigen. Die einfachsten Planeten sind unsere Sonne und unser Erdtrabant, sie
stellen durch ihre Helligkeit am Tag bzw. in der Nacht einen leichtes Ziel mit geringen
Aufwand dar.
Die starke Bündelung des Sonnenlichts, kann zur sofortigen Erblindung des Auges führen,
da die Netzhaut des menschlichen Auges zerstören wird !
Wer im Besitz eines kleinen Teleskop ist, kann die Sonne beobachten und
photographieren. Hier ist der Refraktorbesitzer klar im Vorteil, da keine Turbulenzen
(Luftverwirbelung), wie beim Spiegelsystemen (Newton etc.,) entstehen können. Da die
Turbulenzen durch aufgewärmte Luft im inneren des Tubus beim Refraktor ausbleiben.
Zudem sollte man sich folgende Punkte beachten:
1. Niemals die Sonne direkt beobachten !
2. Nicht benutzte optische Komponenten (Sucher, Leitrohr) abdecken.
3. Keine Sonnenprojektion mit Schmidt-Cassegrain Teleskopen. Der Fangspiegel kann platzen!
4. Kein "Kaufhausteleskop" mit Okularsonnenfilter zu Sonnenbeobachtung benutzen,
da der Okularsonnenfilter zerspringen kann!
Am besten man schmeißt Ihn sofort in die Tonne und kauft sich einen
geeigneten Objektivsonnenfilter aus Glas oder man baut sich einen Objektivfilter aus
Sonnenfilterfolie (Bauanleitung)
5. Niemals eigene Filter verwenden ! Damit sind vor allem Filtertips aus alten
Büchern usw. gemeint. Dazu gehören z.B. Rußgeschwärzte Glasscheiben,
schwarze Filmnegative, CD´s, doppelte Sonnenbrillen. Ein richtiger
Sonnenfilter muss eine optische Dichte von 3 bis 5 besitzen, d.h. eine Lichtreduzierung
mindestens den Faktor 100 000 und ist vor allem
Infrarotstrahlungsundurchlässig.
H-Alpha Filter
Dies ist ein spezieller Interferenzfilter der nur die Wellenlänge von Wasserstoff (H)
durchlässt. Da unsere Sonne sich im H-Alpha-Licht bei einer Wellenlänge 6562,8 Å von
ein Absorptionsband mit einer Halbwertsbreite von etwa 1,0 Å zeigt. Durch einen
Interferenzfilter mit dieser oder kleinerer Halbwertsbreite offenbart sich dem Beobachter
die dynamischen Strukturen in der Sonnenchromosphäre. (Flecken, Fackeln, Flares,
Filamente, Granulen, Protuberanzen, Spicules, Randstrukturen usw.) Nur ein H-Alpha-Filter
ermöglicht die gleichzeitige Beobachtung der Sonnenoberfläche und der Protuberanzen. (Im
Gegensatz zu den üblichen Protuberanzenansätzen, die durch ein umständliches Ausblenden
der Sonnenscheibe einen Blick auf die Randstrukturen der Sonne ermöglichen.)
Ein solcher Filter besteht aus zwei Komponenten und zwar aus einem so genannten Vorfilter,
dieses wird auf die Tubusöffnung gesteckt. Das Vorfilter reduziert die Öffnung des
Teleskops auf f/30 und zudem filtert es bestimmte für das Hauptfilter schädliche
Strahlung aus. Die zweite Komponente ist das Hauptfilter, welches nur für den engen
Bereich um die H-Alpha-Linie durchlässig ist.
Zu Photographieren eignet sich der altbekannte Film TP 2415 von Kodak, mit dem sich auch
noch feinste Strukturen in der Chromoshäre abbilden lassen.
An dieser Stelle sollte man wieder zum Preis eines solchen Filters kommen. Der Preis für
einen H-Alpha-Filter liegt zwischen 1250.- (manuell einstellbarer Filter) bis 12
500.- (thermostatisch gesteuertes Filter). Dazu kommt noch der Vorfilter für 350.-
bis ca. 1000.- je nach Größe der Teleskopöffnung.
Als Einsteiger sollte man sein Finger von dieser Art Filter lassen (Preis/Leistung ????).
Nur größere Vereine oder Sternwarten kaufen sich ein solches Filter. Wer mehr über
diese Filter erfahren möcht sollte die Homepage des Herstellers DayStar Filter Cop. oder
Thousend Oaks besuchen.
| Phasenwinkel ° | Mondphase | Mondalter (Tagen) | C1 | C2 |
|---|---|---|---|---|
| 0 | Vollmond | 14 | 120 | 120 |
| 12 | 13 | 86 | 86 | |
| 24 | 12 | 67 | 67 | |
| 37 | 11 | 52 | 50 | |
| 49 | 10 | 41 | 38 | |
| 61 | 9 | 34 | 29 | |
| 73 | 8 | 29 | 23 | |
| 85 | Halbmond | 7 | 24 | 17 |
| 98 | 6 | 19 | 13 | |
| 110 | 5 | 16 | 9 | |
| 122 | 4 | 14 | 7 | |
| 134 | 3 | 11 | 4 |
© U. Schiefer
Aufnahmetechnik
Hier steht man vor der Frage, ob man direkt Fokal oder mit Okularprojektion
photographieren möchte. Das Photographieren mit der Fokalbrennweite ist für kurze
Belichtungszeiten und gering empfindlichen Filmen bestens geeignet. Nachteilig ist
allerdings der geringe Maßstab der Abbildungen, d.h. diese Art von Photographie ist
ungeeignet von Detailaufnahmen der Planetenoberflächen
Fokalaufnahme: d=254mm Teleskop mit f=2540mm Brennweite (f/1:10),
Filmempfindlichkeit 100 ASA,
Mondphase: Halbmond und die Terminatorregion soll photographiert werden.
N = f / d = 2540 / 254 = 10
E = 100 ASA, C2 = 17
Somit ergibt sich nach Gleichung: t = N² / (E * C2) = 10² / (100 * 17) = 58 ms = ca.
1/20s
Okularprojektion: d=254mm Teleskop mit fOb=2540mm Brennweite
(f/1:10), einem Okular mit fOk=26mm Brennweite,
einem Projektionsabstand l=75mm, Filmempfindlichkeit 100 ASA,
Mondphase: Halbmond und die Terminatorregion soll photographiert
werden.
fÄ= (fOb*l) / fOk =
(2540*75) / 26 = 7326 mm
N = fÄ / d = 7326 / 254 = 28,8
E = 100 ASA, C2 = 17
Somit ergibt sich nach Gleichung: t = N² / (E * C2) = 28,8² / (100 * 17) = 487 =
ca. 1/2s
Für die Kamera und Filme gilt das gleiche wie bei der Sonnenphotographie. Bei der
Entwicklung sollte man auf die Art des Entwicklers achten, den dieser ist Ausschlaggebend
für Schärfe und Tönung des Bildes. Besonders gute Ergebnisse haben wir mit den
Entwicklern Rodinal und Neofin erzielen können.
Scheinbarer Durchmesser der Planeten bei mittlerer Oppositionsstellung und der sich daraus ergebenden Bildgröße auf dem Negativ
| Planet | Winkeldurchmesser (in ") | Bildgröße (in mm) |
|---|---|---|
| Merkur | min 5 , max 15 | min 0,24, max 0,72 |
| Venus | min 10, max 60 | min 0,48, max 2,90 |
| Mars | min 3 , max 25 | min 0,14, max 1,21 |
| Jupiter | min 30, max 50 | min 1,45, max 2,42 |
| Saturn | min 15, max 20 | min 0,72, max 0,96 |
Der größte Winkelabstand zur Sonne beträgt max. 27°50', was Ihn zu
einem schwierigen Beobachtungsobjekt macht. In unseren Breitengraden kann man den Merkur
gut im Frühjahr am Abendhimmel und im Herbst am Morgenhimmel beobachten und
photographieren. Einmalige Bilder sind solche von Mondbedeckungen oder
Durchgänge vor der Sonne, welche man direkt (bei Sonne den Sonnenfilter benutzen!!!) oder
indirekt (Projektion) photographieren kann.
Mit Hilfe eines Gelb- oder Orangefilter sollten Schattierungen auf der Oberfläche
sichtbar werden. Vorrangig werden für die Photographie mit Normal- oder
Teleobjektiven während der Dämmerungsphase mit einem Farbfilm ab etwa 200 ASA
Empfindlichkeit benutzt.
Venus
Da die Venus einen Abstand von bis zu 47° bezogen auf die der Sonne einnehmen kann, ist
sie schon mit einem kleineren Teleskope beobacht- und photographierbar. Ein Interessantes
Gebiet dabei ist die Verfolgung des Phasenwechsels, aus welcher man die Dichotomie
ableiten kann.
Eine Kontraststeigerung zwischen dem Himmelshintergrund und dem Planeten ermöglicht ein
Gelb- oder Orangefilter bzw. ein Polarisationsfilter. Zum Photographieren benutzt man am
besten einen UV-Filter, welches nur das UV-Licht passieren lässt, oder ein Violett- bzw.
dunkles Blaufilter. Als SW-Film den Kodak TP 2415 und als Farbfilm den Kodak Chrome 200.
Mars
Im Gegensatz zu Venus zeigt der Mars, welcher bis zu 25" groß werden kann, im
Teleskop eine Reihe von Einzelheiten. Die auffälligsten Details sind die Polkappen, sowie
Dunkelflecken und Wolken. Bei sehr gutem Seeing < 1" kann man schon Details mit
bis zu 300 km erkannt werden (Beispiel ist das so genannte "Gesicht")
Orange- oder Rotfilter eignen sich für Oberflächendetails, während sich Blaufilter eher
für die Atmosphäre eignen. Als Film eignet sich der Kodak TP 2415, als Farbfilm den
Kodak Ektarchrom 400. Entwickelt wird der SW-Film mit D19 oder Rodinal.
Jupiter
Der Jupiter ist neben dem Mond das Einsteigerobjekt. Während der Opposition erreicht er
eine Größe von bis zu 50" und ist zudem die ganze Nacht beobachtbar.
Schon mit einem 4" Refraktor lassen sich die Bänder und Zonen beobachten und
photographieren. Und der GRF (Große rote Fleck) sollte bei Sichtbarkeit ohne Probleme
photographieren lassen.
Blaufilter heben die Wolkenbänder stärker hervor, während der GRF mit verschiedenen
Filtern (Gelb- oder Orange) stärker hervorgehoben werden kann (je nach Farbe des Flecks).
Als Filme können der TP 2415 und der Ektachrom 400 verwendet werden.
Saturn
Saturn mit seinen Ringen gehört auch zu den Einsteigerobjekten. Hat er während der
Opposition einen Durchmesser von bis zu 20" auch dieser Planet und seine Ringe
können schon mit einem 4" Refraktor beobachtet. Eine Herausforderung ist die
Aufnahme des Planeten und des Rings mit seinen Teilungen, welches schon ab 8"
möglich ist. Zu beachten sind die wechselnden Stellungen der Ringe, die ein beobachten
unmöglich machen kann, da man direkt auf die Ringkante schaut.
Filter haben beim Planeten selbst fast keine Wirkung, dafür aber seine
Ring, welche mit gelb und orange Filtern hervorgehoben werden können. Filme: Fuij Superia
800 und TP 2415.
Uranus, Neptun, Pluto
Beim Planeten Uranus soll laut einigen Beobachtern ein dunkles Äquatorband sichtbar
sein (ab 10" Teleskopen). Neptun ist bei ca. 300facher Vergrößerung als
Scheibe zu sehen, allerdings ohne Details. Pluto kann man schon mit einem 8" als
kleinen Punkt finden. Deshalb bevorzugen die meisten Astronomen den Nachweiß über eine
Sternfeldaufnahme.
Filme: TP 2415